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đŸŒČ Geschichten aus dem Wald - Thomas đŸŒČ

Im Naturcoaching geschehen oft kleine Wunder – nicht spektakulĂ€r und laut, sondern leise und tief berĂŒhrend. Die Natur wirkt wie ein Spiegel, der uns unsere Themen und GefĂŒhle zeigt. Bestimmte Orte, PhĂ€nomene oder Begegnungen setzen Prozesse in Gang: Achtsamkeit, Erinnerung, Reflexion und schliesslich die Möglichkeit, eine neue Perspektive einzunehmen.

In der folgenden Geschichte begleite ich Thomas auf seinem Weg durch den Wald. Es entsteht ein Dialog zwischen uns – mit der Natur als dritte GesprĂ€chspartnerin. Sie zeigt, wo er Widerstand spĂŒrt, wo alte Erinnerungen auftauchen und wo neue RĂ€ume geöffnet werden können.


✹ Der Dialog im Coaching

Thomas steigt geradewegs auf den Gipfel des kleinen Felsens zu. Oben bleibt er stehen und genießt sichtlich die Aussicht.


„Thomas, was kannst Du hier alles entdecken!?“

Thomas schaut sich um.

„Ich fĂŒhle den Wind und habe hier einen guten Standpunkt. Die Übersicht gefĂ€llt mir!“


„Was ist da noch?“

Thomas blickt weiter nach rechts.

„Da ist ja ein Name in den Baumstamm geritzt
René Ich kannte mal einen RenĂ©. Das ist der Freund eines Nachbarn.“

Nach kurzer Pause


„Da war mal so eine Sache
Nein das möchte ich nicht weiter vertiefen!“

Thomas zieht weiter.


Nach einiger Zeit biegt Thomas unvermittelt vom Weg nach links ab und lÀuft querfeldein durch den Wald.

Thomas begegnet dem ersten Hochsitz und wir laufen direkt an einem Wildleckstein vorbei.

„Ich finde das so grausam, wie JĂ€ger das Wild jagen. Es gibt ja sogar Wildtourismus, wo Menschen aus purem Spaß, die Tiere töten. Deshalb lass uns schnell weiter gehen. In der NĂ€he des Hochsitz will ich nicht bleiben.“


Thomas geht impulsiv weiter quer durch den Wald. Wir landen in einem StĂŒck Wald und wieder entdeckt Thomas einen weiteren Hochsitz.

„Lass uns weitergehen, hier sind ja ĂŒberall Hochsitze. Überall wo ich hingehe sehe ich Hochsitze.“

Thomas geht schnell weiter.


Wir kommen auf eine schöne Lichtung mitten im Wald und bleiben fĂŒr einige Minuten stehen. Thomas genießt das Umfeld.

„Hey da hinten das sieht aus wie eine schöne HĂŒtte
.Ach nein das ist ja auch eine Leiter dran. Das ist wieder ein Hochsitz.“

Thomas wirkt betrĂŒbt.

„FĂŒr einen Moment dachte ich an eine schöne kleine HolzhĂŒtte. Ich habe mal fĂŒr eine Freundin, meine ehemalige Lebenspartnerin eine HolzhĂŒtte gebaut. Ich wollte fĂŒr mich eigentlich auch so eine HĂŒtte bauen.“


Wir gehen weiter und Thomas kommt an eine sonnige Lichtung und betrachtet eingehen kleinste weiße BlĂŒten die ganz nah am Boden eng aneinander wachsen. Er streicht darĂŒber und fĂŒhlt die kleinen BlĂŒten.

„Wollen wir es uns hier mal gemĂŒtlich machen?“

Thomas willigt ein. Wir setzen uns, lassen uns von der Mikrowelt faszinieren und betrachten die Pflanzenwelt.

„Was genau fasziniert Dich so an dieser Mikrowelt?“

„Es ist diese Lebendigkeit, die ich hier sehe. Alles ist so klein und doch lebendig.“

„Wo siehst Du die Lebendigkeit bei Dir Thomas?“

„Ich weiß nicht, was mich daran hindert, solche Dinge auch mal fĂŒr mich zu machen. Eine HĂŒtte fĂŒr mich bauen. Ich wollte auch mal eine kleine Wohnung irgendwo anders kaufen. Das Geld dazu habe ich, aber ich tue es nicht. Und ich wollte ein motorisiertes Boot haben. Auch das habe ich noch immer nicht getan.“

„Was hĂ€lt dich zurĂŒck?“

„Da ist irgendeine Angst, die diese VerĂ€nderung nicht zulassen möchte und die hĂ€lt mich zurĂŒck“.


Wir verlassen den Ort und ich bitte Thomas, sich einen Gegenstand zu suchen oder Materialien aus der Natur zu verwenden, um seine Angst darzustellen. Er baut aus Ästen und Tannenzapfen etwas zusammen, das aussieht wie ein Raum (Quadrat) in dem er die Tannenzapfen positioniert.

„Symbolisieren die Tannenzapfen Deine Angst?“ „Ja.“

„Was möchtest Du jetzt tun mit der Angst Thomas?“

Thomas schaut sein Gebilde an. Nach einer Weile öffnet er einen der Äste und legt die Tannenzapfen in die geöffnete TĂŒr.

„Was hast Du gemacht?“

„Ich möchte der Angst ein wenig die TĂŒr öffnen
“

Thomas wirkt zufrieden mit seiner Entscheidung.


🌿 Reflexion

In diesem Coaching hat Thomas zunĂ€chst seinen „Ruf“ erkannt – sein inneres Anliegen, zu spĂŒren, was in seinem Leben gerade ansteht. Die Natur fĂŒhrte ihn durch WiderstĂ€nde (die Hochsitze), Erinnerungen und WĂŒnsche (die HolzhĂŒtte) bis hin zu einer klaren Erkenntnis: Seine Angst hĂ€lt ihn zurĂŒck, aber er kann ihr die TĂŒr öffnen.

PhĂ€nomene wie die Hochsitze lösten starke Abwehr aus – und genau da zeigt sich die Tiefe des Naturcoachings. Als Coach spĂŒre ich hinein, ob es sinnvoll ist, beim Thema zu bleiben oder ob der Widerstand zu groß ist. Oft offenbart sich dann, wie hier, eine Bewegung, die den nĂ€chsten Schritt im Leben ermöglicht.


Mann lÀuft durch den Wald an einem Hochsitz vorbei
Mann lÀuft durch den Wald an einem Hochsitz vorbei

 
 
 

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