🌲 Geschichten aus dem Wald - Thomas 🌲
- heikoherzberger
- 1. Sept. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Im Naturcoaching geschehen oft kleine Wunder – nicht spektakulär und laut, sondern leise und tief berührend. Die Natur wirkt wie ein Spiegel, der uns unsere Themen und Gefühle zeigt. Bestimmte Orte, Phänomene oder Begegnungen setzen Prozesse in Gang: Achtsamkeit, Erinnerung, Reflexion und schliesslich die Möglichkeit, eine neue Perspektive einzunehmen.
In der folgenden Geschichte begleite ich Thomas auf seinem Weg durch den Wald. Es entsteht ein Dialog zwischen uns – mit der Natur als dritte Gesprächspartnerin. Sie zeigt, wo er Widerstand spürt, wo alte Erinnerungen auftauchen und wo neue Räume geöffnet werden können.
✨ Der Dialog im Coaching
Thomas steigt geradewegs auf den Gipfel des kleinen Felsens zu. Oben bleibt er stehen und genießt sichtlich die Aussicht.
„Thomas, was kannst Du hier alles entdecken!?“
Thomas schaut sich um.
„Ich fühle den Wind und habe hier einen guten Standpunkt. Die Übersicht gefällt mir!“
„Was ist da noch?“
Thomas blickt weiter nach rechts.
„Da ist ja ein Name in den Baumstamm geritzt…René…Ich kannte mal einen René. Das ist der Freund eines Nachbarn.“
Nach kurzer Pause…
„Da war mal so eine Sache…Nein das möchte ich nicht weiter vertiefen!“
Thomas zieht weiter.
Nach einiger Zeit biegt Thomas unvermittelt vom Weg nach links ab und läuft querfeldein durch den Wald.
Thomas begegnet dem ersten Hochsitz und wir laufen direkt an einem Wildleckstein vorbei.
„Ich finde das so grausam, wie Jäger das Wild jagen. Es gibt ja sogar Wildtourismus, wo Menschen aus purem Spaß, die Tiere töten. Deshalb lass uns schnell weiter gehen. In der Nähe des Hochsitz will ich nicht bleiben.“
Thomas geht impulsiv weiter quer durch den Wald. Wir landen in einem Stück Wald und wieder entdeckt Thomas einen weiteren Hochsitz.
„Lass uns weitergehen, hier sind ja überall Hochsitze. Überall wo ich hingehe sehe ich Hochsitze.“
Thomas geht schnell weiter.
Wir kommen auf eine schöne Lichtung mitten im Wald und bleiben für einige Minuten stehen. Thomas genießt das Umfeld.
„Hey da hinten das sieht aus wie eine schöne Hütte….Ach nein das ist ja auch eine Leiter dran. Das ist wieder ein Hochsitz.“
Thomas wirkt betrübt.
„Für einen Moment dachte ich an eine schöne kleine Holzhütte. Ich habe mal für eine Freundin, meine ehemalige Lebenspartnerin eine Holzhütte gebaut. Ich wollte für mich eigentlich auch so eine Hütte bauen.“
Wir gehen weiter und Thomas kommt an eine sonnige Lichtung und betrachtet eingehen kleinste weiße Blüten die ganz nah am Boden eng aneinander wachsen. Er streicht darüber und fühlt die kleinen Blüten.
„Wollen wir es uns hier mal gemütlich machen?“
Thomas willigt ein. Wir setzen uns, lassen uns von der Mikrowelt faszinieren und betrachten die Pflanzenwelt.
„Was genau fasziniert Dich so an dieser Mikrowelt?“
„Es ist diese Lebendigkeit, die ich hier sehe. Alles ist so klein und doch lebendig.“
„Wo siehst Du die Lebendigkeit bei Dir Thomas?“
„Ich weiß nicht, was mich daran hindert, solche Dinge auch mal für mich zu machen. Eine Hütte für mich bauen. Ich wollte auch mal eine kleine Wohnung irgendwo anders kaufen. Das Geld dazu habe ich, aber ich tue es nicht. Und ich wollte ein motorisiertes Boot haben. Auch das habe ich noch immer nicht getan.“
„Was hält dich zurück?“
„Da ist irgendeine Angst, die diese Veränderung nicht zulassen möchte und die hält mich zurück“.
Wir verlassen den Ort und ich bitte Thomas, sich einen Gegenstand zu suchen oder Materialien aus der Natur zu verwenden, um seine Angst darzustellen. Er baut aus Ästen und Tannenzapfen etwas zusammen, das aussieht wie ein Raum (Quadrat) in dem er die Tannenzapfen positioniert.
„Symbolisieren die Tannenzapfen Deine Angst?“ „Ja.“
„Was möchtest Du jetzt tun mit der Angst Thomas?“
Thomas schaut sein Gebilde an. Nach einer Weile öffnet er einen der Äste und legt die Tannenzapfen in die geöffnete Tür.
„Was hast Du gemacht?“
„Ich möchte der Angst ein wenig die Tür öffnen…“
Thomas wirkt zufrieden mit seiner Entscheidung.
🌿 Reflexion
In diesem Coaching hat Thomas zunächst seinen „Ruf“ erkannt – sein inneres Anliegen, zu spüren, was in seinem Leben gerade ansteht. Die Natur führte ihn durch Widerstände (die Hochsitze), Erinnerungen und Wünsche (die Holzhütte) bis hin zu einer klaren Erkenntnis: Seine Angst hält ihn zurück, aber er kann ihr die Tür öffnen.
Phänomene wie die Hochsitze lösten starke Abwehr aus – und genau da zeigt sich die Tiefe des Naturcoachings. Als Coach spüre ich hinein, ob es sinnvoll ist, beim Thema zu bleiben oder ob der Widerstand zu groß ist. Oft offenbart sich dann, wie hier, eine Bewegung, die den nächsten Schritt im Leben ermöglicht.





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